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Wissenswertes über unsere
heimischen Holzarten

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Speierling

Das ist der erste Trieb eines jungen Speierlingzweiges. Wer hoch hinaus will sollte klein und konzentriert beginnen.

Die Krone entwickelt sich immer weiter. Im strahlend blauen Himmel ist ja Platz genug.

In der Jugend ist die Verwandtschaft des Speierlings mit seiner kleinen Schwester, der Vogelbeere, sehr gut zu sehen.

Herrliche Blüten ergeben irgendwann auch herrliche Früchte.

Von Sommerwind, Regen und Sonnenglut verwöhnt, hängen sie da und reifen genüßlich.

 

Da könnte man fast neidisch werden, doch wenn man zu prall wird, fällt er ab.

Gefüllt mit köstlichsten Aroma und Duftstoffen.

Ein Speierling in voller Pracht.

So langsam wird es herbstlich.

Das Laub des Speierlings ein einziges Farbspektakel.

Ein frischer Holzabschnitt.

Was könnte das wohl sein? Eine Makrovergrößerung des Speierlings.

Das und viele andere tolle Sachen lassen sich aus seinem Holz fertigen.

 

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Der geheimnisvolle Sperbelbaum: Wer ist ihm schon begegnet?

Das schwerste heimische Holz, der Speierling, zählt zu den vergessenen Rohstofflieferanten.

In Deutschland war er in seiner Existenz bedroht, da die natürliche Verjüngung nicht mehr ausreichend stattfindet. Ab 1980 rasch zunehmende Nachzuchtbemühungen der deutschen forstlichen Versuchsanstalten und einiger Baumschulen sowie die Wahl der Baumart zum Baum des Jahres 1993 leiteten eine wirksame Wiederbegründung ein.

 

Da der Speierling mit seinem extrem ausgeprägten Lichtbedürfnis in der Konkurrenz mit nahezu allen anderen Baumarten unterlegen ist, kommen für Anpflanzungen weniger der Waldbestand sondern mehr die Waldränder und der solitäre Einzelstand in Betracht. Hier im Freistand entwickelt der Baum bis zu 20m breite Kronen, wird 15 bis 18m hoch, ist gesund, mit einem Alter von über 150 Jahren ausgesprochen langlebig und erfreut im Herbst durch seine zahlreichen, leuchtend gelbroten Früchte und die gelbe Laubfärbung.

Die Früchte des Sorbus domestica können so vielfältig verwendet werden, wie sie verschiedene Formen und Farben haben. Egal ob zu Mus verarbeitet oder als Beigabe zu richtig gutem Most. Sie machen diesen bekömmlich, klären ihn und verlängern die Haltbarkeit. In Hessen werden traditionell die Speierlingfrüchte zum „Äppelwoi“ (Apfelwein) hinzugegeben. Vielleicht kamen deshalb so viele Dichter und Denker von dort, weil der Genuss des geistigen Getränks sie zu Höhenflügen anregte? Goethe wusste bestimmt Bescheid. In Italien werden die Früchte als Frischobst auf den Märkten (z.B. in Turin, Bologna oder Mailand) angeboten.

Heute sind die Früchte von den Kellereien sehr gesucht. Über 70 Euro pro Zentner werden bezahlt - große Bäume tragen mehr als 20 Zentner!

Die Früchte sind als Heilmittel bei verschiedensten Krankheiten angewendet worden. Bei allgemeinen Schwächezuständen, zur Vitalisierung, bei Magenproblemen. Getrocknet im Winter als Stärkungsmittel. Doch leider gibt es viel zu wenig von diesen kostbaren Früchten.

 

Früher waren über 50 Sorten von Speierlingsfrüchten bekannt. Es gibt so viele verschiedene Fruchtformen der Sperbele: rot-gelb, gelb, gelb-grün, bräunlich, manche apfel-, manche birnenförmige mit unterschiedlichsten Geschmacksnuancen und Reifezeiten von August bis November. Doch Vorsicht vor dem ersten Biss - Wenn die Früchte noch nicht richtig voll reif sind, dann fühlt es sich an wie eine Spritze beim Zahnarzt: Der Mund wird pelzig und alles zieht sich zusammen. Mit ein bisschen Geduld kann man ein süßes Wunder erleben. Wenn die Speierling Früchte richtig reif, weich und schon leicht matschig, dann sind sie gut! Es ist unglaublich wie die Speierling Früchte sich geschmacklich verändern. Wenn sie richtig schön reif sind, schmecken sie zuckersüß und wir haben sogar schon welche gemessen mit über 130 Öchsle. Auch den Kindern schmecken die reifen Früchte gut: Leicht nach Birne, Vanille, Apfel, Pfirsich ... Und gesund sind sie auch noch. Am besten selbst mal auf Entdeckungsreise gehen und probieren. Doch nicht alle Sorten schmecken gleich gut. Auf los geht’s zum Genussabenteuer.

 

Das Holz des Speierling ist sehr gesucht für Zahnräder, Holzgewinde, im Instrumentenbau für Blockflöten und natürlich als edelstes Möbelholz. Furnierstämme werden mit über 6.000 Euro pro Festmeter bezahlt. Ingesamt gibt es noch rund 5.000 alte Bäume in Deutschland. Der zweit größte steht sogar bei uns in Eppingen am Jägersee - auf alle Fälle einen Ausflug wert. Auf der Internetseite des DDG finden sich nur wenige Bäume. Wer also einen besonderen Speierling kennt, darf ihn gerne melden. Da dieser so selten wurde, finden Sie unten in den Klartexten einen extra Beitrag zur Pflanzung, Pflege und Nachzucht. Wer ist bereit neue Speierlinge zu pflanzen?

 

Die Rinde des Speierlings ähnelt der von Apfel und Birnbaum. Auch die Eichenrinde sieht auf den ersten Blick ähnlich aus. Wie schwierig ist es doch genau zu schauen und unterscheiden zu lernen!Früher wurde der Rindenbast vom Sperbele zum Färben verwendet. Gelb-rötlich wie das Holz. Schade, dass heute soviel Grau und Schwarz zu sehen ist. Ob es daran liegt das es fast keine Speierlingbäume mehr gibt?

 

Thomas Kellner über den Speierling

Vom Speierling gibt es über 30 verschiedene Frucht Formen. Es ist zu einseitig, wenn man nur in apfel- und birnenförmig unterscheidet. Viel markanter finde ich die Fruchtfarben und die unterschiedlichen Reifezeiten. Speierling Früchte reifen von Ende August bis Mitte November je nach Sorte. Es gibt gelbe, gelbgrüne, rötlich und braune Früchte und alle haben einen ganz eigenen Geschmack. Am besten entfalten sich die Aromen wenn die Früchte schön reif sind. Wir trocknen sie am liebsten im Dörrapparat. Speierling Früchte sollten knusprig getrocknet werden, dadurch sind sie jahrelang, wenn sie trocken aufbewahrt werden, haltbar und sehr gesund. Speierling enthalten sehr viele verschiedene Inhaltsstoffe, unter anderem sollen sie auch gegen Zellalterung vorbeugen. Umso wichtiger ist es deshalb sich schon in der Jugend um Nachschub zu kümmern und Bäume zu pflanzen. Ich mag die Speierling Früchte einfach vom Geschmack und nehme sie sehr gern zum Reisen mit und als Energiebringer.

Otto Link

Otto Link war ein bedeutender Forstmann, unter anderem Forstamtsleiter in Güglingen und er hat sich besonders um unsere Heimat verdient gemacht. Über den Speierling hat er auch einiges geschrieben, schon 1938. In der Zwischenzeit wissen wir glücklicherweise, wie man Speierling Pflänzchen sehr gut wieder nachziehen kann. Somit steht genug Fachwissen und vor allen Dingen Pflanzen zur Verfügung, um das Erbe Otto Links würdig anzutreten. 

Hinweise zur Pflanzung von Speierlingsbäumen

Dieses Merkblatt soll Baumfreunden, die Speierlinge pflanzen wollen, die nötigen Hinweise geben. Dabei zielt dieses Merkblatt auf Pflanzungen in Gärten, in Parks oder an Wegen ab und nicht auf die forstliche Verwendung.

 

Standorte zur Speierlingspflanzung in Deutschland liegen die sog. natürlichen Verbreitungsgebiete vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Nördlich der norddeutschen Mittelgebirge kommt er von Natur aus nicht mehr vor. Der Speierling wächst im Weinbauklima auf eher trockenen und wechseltrockenen, nährstoffreichen Standorten. Er meidet staufeuchte und arme Böden. Die Baumart gedeiht auf einem breiten Spektrum von Standorten als Solitär, also als einzeln stehender Baum. In Parks und Obstgärten gibt es nur wenige Einschränkungen: Die Art braucht viel Platz (20 x 20m), und meidet sandige oder feuchte Standorte. Fast alle Waldstandorte, auf denen die Elsbeere (Sorbus torminalis) vorkommt, sind auch für die ganz nah verwandte Art Speierling geeignet. Falls Pflanzungen im Wald geplant werden, sollte unbedingt das zuständige Forstamt beratend zugezogen werden.

 

Beschaffung von Pflanzen und deren Beschaffenheit

In den auf die Speierlingsnachzucht spezialisierten Baumschulen (Bezugsquellen am Ende des Blattes) wird Saatgut von gutwüchsigen und vitalen Mutterbäumen verwendet. In einer Reihe von forstlichen Versuchsanlagen der deutschen Bundesländer wird die Eignung verschiedener Mutterbäume für die Nachzucht überprüft. Demnächst wird auch Saatgut aus diesen Anlagen an Bedeutung gewinnen. Dabei haben sich jetzt bereits die Anzuchtziele für den Einsatz im forstlichen Bereich und im Obstbau getrennt. Da immer wieder Verwechslungen der Sorbus-Arten in weniger erfahrenen Baumschulen vorkommen, achte man auf die kahlen, etwas klebrigen, grünbraunen Knospen des Speierlings, die sich deutlich von den schwarzbraunen, behaarten der Vogelbeere oder Eberesche unterscheiden. Speierlingssämlinge erreichen im ersten Jahr (vom März bis zum Herbst) Höhen von 60 bis 120cm. Am besten kauft man Speierlingssämlinge als Containerpflanzen mit einem kleinen Ballen. Vor allem ältere Bäume, die Speierlingsheister und Hochstämme, sollten unbedingt mit Ballen gepflanzt werden um das Anwachsen zu sichern. Kleine, schwache und kränklich aussehende Pflanzen sollte man nicht nehmen. Sie können an Pilzkrankheiten leiden, erholen sich nur selten und gehen später oft ein.

Nur ein kleiner Kreis von Baumschulen bemüht sich erfolgreich um die Anzucht. Generell wird geraten, die wenigen benötigten Pflanzen oder Heister bei einer der spezialisierten Baumschulen zu kaufen. Wer dennoch aus selbst gesammelten Früchten und den darin enthaltenen Samen Speierlingspflanzen erziehen möchte, braucht ein spezielles Fachwissen. Zu dem Buch „Der Speierling“ findet sich am Ende des Blattes ein Hinweis.

Will man keine Bäume mit hoch angesetzten, großen Kronen haben, sondern zielt auf die Obstgewinnung ab, sollte man veredelte bzw. gepfropfte Pflanzen von den Sorten bevorzugen, die früh und reich fruktifizieren und vor allem klein bleiben (z.B. von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veits-Höchheim). Ein Formschnitt wie bei Obstbaumarten ist dann ggf. erforderlich. Die zu entfernenden Äste sollte man nicht stärker als daumendick werden lassen und im Juni oberhalb des Ansatzwulstes abschneiden. Eine flache Aststellung bringt weniger Triebwachstum und eine stärkere Fruchtbildung durch bessere Belichtung. Bei solitär stehenden Speierlingen in Parks und großen Gärten kann ein Erziehungsschnitt in den ersten 5 Jahren wie bei Obstgehölzen durchgeführt werden. Bei den im Wald stehenden Speierlingen werden Ästungsmaßnahmen nicht empfohlen.

 

Pflanztechnik bei Speierlingen

Diese Hinweise gelten - wie das ganze Merkblatt - für eine gärtnerische Pflanzung einzelner Exemplare. Für den forstlichen Bereich gelten andere Ziele hinsichtlich der Sorten, deren Wachstum und der zugehörigen Pflanzmethoden sowie der Pflege.

Die Herbstpflanzung wird bei jungen Speierlingen bevorzugt. Durch die Winterfeuchte hat die Pflanze einen besseren Bodenschluss. Da die Wurzelaktivität schon Anfang März beginnt, haben die Pflanzen einen besseren Start im Frühjahr. Bei einer Frühjahrspflanzung ist gutes Angießen bzw. Einschlämmen wichtig. Bei trockenen Wetterlagen des ersten und ggf. auch des zweiten Standsommers sollten die Pflanzen wiederholt gegossen werden. Danach, also von dritten Standjahr an, sind Speierlinge vergleichsweise unempfindlich gegen Trockenheit. Bei Containerpflanzen ist man nicht so streng an die Pflanzzeiten gebunden, die bei wurzelnackten Pflanzen einzuhalten sind. Vor dem Pflanzen werden die Container abgenommen, nur bei Jungpflanzen werden die kleinen, bereits durchwurzelten Jiffy-Torftöpfe mit eingepflanzt. Da die von dem Containerballen ausgehende Durchwurzelung des angrenzenden Erdreichs einige Zeit erfordert, sollte in Dürrezeiten nach der Pflanzung mehrfach gegossen werden.

Generell werden Speierlinge sorgfältig und gärtnerisch gepflanzt und danach das Erdreich gut gewässert. Unter gärtnerischer Pflanzung wird das Ausheben eines Pflanzloches in der Größe des dreifachen Ballendurchmessers und das Verfüllen mit Komposterde verstanden. Bei einem starken Mäusebesatz ist ggf. von Pflanzungen abzusehen, sofern keine Kunststoffmanschetten am Wurzelansatz angebracht werden. Gute, aber nicht gesicherte Erfahrungen liegen zur Verwendung von eingegrabenen Körben aus feinem Hühnerdraht vor, in die dann die Pflanze gesetzt wird. Als Hühnerdraht wird oft der verzinkte Maschendraht mit einer Maschenweite von maximal 11mm bezeichnet. In diese etwa 30 x 40cm großen Körbe, die bis zum Stammfuß geschlossen sind, kommt der Wurzelballen des kleinen Baumes und kann von unterirdisch fressenden Mäusen nicht mehr erreicht werden. Da diese Technik sehr aufwändig ist und nicht vollständig sichert, wird sie auf Ausnahmen beschränkt bleiben. Wurzel- und Pflanzschnitte sollten bei jungen Speierlingen nicht durchgeführt werden.

 

Schutzmaßnahmen und Pflege

Gute Speierlinge sind anfangs raschwüchsig und brauchen unbedingt einen stützenden Pfahl oder Bambusstab für den noch schwachen, schwankenden Trieb. Wildschutzspiralen sind ebenfalls geeignet. Speierlinge sind sehr verbiss gefährdet. Zur Abwehr gegen den Wildverbiss werden 1m hohe und etwa 30-40cm weite Drahthosen am Pfahl befestigt. Drahthosen sind Röhren aus feinem Maschendraht (auch als Hühnerdraht oder Kaninchendraht bekannt), die Tiere fernhalten. Gegen Weidevieh und Rotwild müssen 2m hoher Draht und 4 Pfähle für die im Durchmesser 1m starke Drahthose genommen werden. Die Pfähle werden dabei am oberen Ende durch Hölzer fest verbunden um dem Gestell genügenden Halt zu geben. Ungeeignetes, zu hartes oder zu fest oder zu locker sitzendes Bindematerial kann Eintrittsstellen für Pilze verursachen. Chemische Schutzmaßnahmen werden außer bei der Pflanzenanzucht nicht empfohlen. Für starke Pflanzen in Freilage nimmt man weiße Wuchshüllen, die gleichzeitig gegen den Verbiss schützen. Sie haben eigene, stabile, 150cm lange und 1cm starke Haltestäbe aus Baustahl, daher kann hier auf Pfähle verzichtet werden. Die Wuchshüllen müssen 5-10cm hoch sorgfältig angehäuft werden, um das Eindringen von Mäusen und starken Luftdurchzug zu verhindern. Der scharfe Oberrand soll durch Einschneiden der Außenkanten beweglich gemacht werden, um die Gefahr des Abscheuerns der durchwachsenen Pflanzen zu verhindern. Wuchshüllen müssen unbedingt regelmäßig kontrolliert werden und so lange stehen bleiben, bis die Jungpflanze eine Krone oberhalb der Wuchshülle gebildet hat und keine Stütze mehr benötigt. Guten Ergebnissen durch Einsatz von Wuchshüllen stehen auch weniger gute Erfahrungen durch Überhitzungen entgegen.

Es ist auf weiches, richtig sitzendes Bindematerial bei der Sicherung der Stämmchen hinzuweisen. Hartes, zu fest oder zu locker sitzendes Material kann die Rinde beschädigen und Eintrittsstellen für Pilzerkrankungen verursachen. Neben den Mäusen und dem Wildverbiss sind auch Sträucher, sofern sie die jungen Speierlinge bedrängen, als Konkurrenz zu beachten und ggf. zu entfernen oder zurückzuschneiden. In den ersten 2-3 Jahren bringt man junge Pflanzen sicher über die Gefahren durch Pilzerkrankungen hinweg, indem man unmittelbar vor dem Austrieb der Knospen den ganzen, dünnen Schaft rundum mit einem Breitbandfungizid (wie gegen den Apfelschorf) besprüht und das mit drei weiteren Spritzungen in vierzehntägigem Abstand wiederholt. So bleibt der Schaft gesund und sauber und die Blätter haben keine Verfärbungen durch Pilze.

Speierling kulinarisch

Speierlingsbrot 

400g Speierlingsmus, 500g normaler Zucker, 100g Apfelwein, 2 Beutel Gelfix 1:1

Nach Gelfix-Anleitung unter ständigem Rühren 3-5 min. kochen lassen. Die Masse auf ein Backpapier ausstreichen und mehrere Tage trocknen lassen (eventuell mehrmals wenden). Dann in Rauten schneiden und einige Tage nachtrocknen lassen. In einer gut verschlossenen Dose als Leckerei aufbewahren.

Dieses Rezept hat uns Heiko Fischer zur Verfügung gestellt. Wir haben es ausprobiert und nicht nur für sehr gut sondern für ausgezeichnet empfunden. Die Spitzengourmetküche lässt grüßen.